Arbeit, Arbeit!
Nach rund einer Stunde Fahrt, komme ich in Ayr an. Gleich merke ich, dass Ayr ein Kaff ist. Ein paar kleine Geschäfte an der Hauptstraße, ein Subway!, einen Supermarkt und eine Disco!
Ich werde von Client abgeholt und zum Hostel gefahren. Zum Glück liegt das Hostel nicht ganz so weit weg, wie ich befürchtet hatte. Der Supermarkt liegt nur 5 min Fußmarsch entfernt, alles andere jedoch min. 15min ;P
Das Hostel wird von dem Ehepaar Client und Donner geleitet und ist daher sehr familiär. Die beiden kümmern sich sehr engagiert um alle Backpacker, wie ich in den nächsten paar Tagen merken werde. Das Hostel besteht aus zwei größeren Häusern, wo jeweils rund 20 Leute leben. Alles ist sehr sauber und geräumig. Dazu gibt es einen Pool, zwei TV-Räume und ein Volleyballfeld.
Das einzige Manko ist, dass es nirgendwo einen klimatisierten Raum gibt, was bei Temperaturen um 31° doch recht schade ist. Pro Nacht bezahle ich nur knapp 8 €, was super preiswert ist. Dem Geldmachen steht also nichts im Wege : )
Die meisten Backpacker hier im Hostel sind, wie kann es auch anders sein, Deutsche, aber es sind auch recht viele Asiaten(Koreaner, Japaner, Chinesen) hier und vereinzelt noch Iren, Engländer, Franzosen etc.
Gleich am ersten Abend bekomme ich auch schon meinen ersten Job vermittelt. Egg Plants(Auberginen) auf der Farm von Ross ernten. Als ich den anderen davon erzähle, können die sich ein grinsen nicht verkneifen, denn Ross Farm ist eine der Schlimmsten! Mir wird gesagt, dass man dort die ganze Zeit vom dem Supervisor gepuscht wird schneller zu picken oder schon nach 3h gefeuert wird. Naja ich werde mein bestes geben.
Ein großes Problem habe ich jedoch: Es ist Sonntag, d.h. alles hier in Ayr hat zu, und ich habe nichts, weder Essen/Trinken, noch Arbeitsklamotten. Letzteres ist kein Problem, denn das Hostel hat mehrere Kisten mit alten Arbeitsklamotten(Schuhe, Hosen, Hemden etc.) und Handschuhe bekomme ich von Donner. Trinken ist auch kein großes Problem, denn das Leitungswasser hier in Ayr ist sehr gut. Ein paar Brote bekomme ich von zwei netten deutschen Mädels, Ramona und Sandra, aus meinem Zimmer. Wie ihr seht, wird einem immer geholfen und alle sind super freundlich. Fühle mich richtig wohl ; )
Am ersten Abend spiele ich mit ein paar Deutschen Karten und ich lasse mir Tipps für meine Arbeit geben. Aufgeregt, aber dennoch sehr müde gehe ich um 10 ins Bett, denn um 5 geht’s los!
Mit einem uralten Bus fahre ich mit 5 anderen Backpackern zu der Farm. Direkt nachdem wir angekommen sind, fangen wir an. Das Auberginenfeld ist in mehrere Reihen unterteilt und jeder von uns bekommt eine Reihe. Vor uns fährt ein Fließband, das die gepflückten Auberginen in die Kisten befördert. Mit einer kleinen Gartenschere muss ich alle Auberginen in meiner Reihe auf das Fließband werfen – und es sind viele, verdammt viele –
Die ersten zwei Stunden vergehen recht gut. Unser fetter Supervisor John hat nichts zu meckern und die Temperaturen sind noch recht angenehm. Aber ab dann wird schwerer, immer schwerer. Es wird heißer(gute 30°) und der Rücken fängt an zu schmerzen, denn diese Scheiß Dinger liegen auf dem Boden unter den Blättern, d.h. man muss sich die ganze Zeit bücken und zwischen den Blättern nach den Auberginen suchen. Ich frage mich in der Zeit des Öfteren, ob es das überhaupt wert ist oder ich einfach die Arbeit schmeißen soll. Naja da bin ich wohl nicht der einzige, ein Franzose, der auch zum ersten Mal dabei ist, schmeißt die Arbeit nach 5h und geht zurück zum Hostel. Sein Abgang ermutigt mich aber zumindest einen Tag durchzuhalten^^.
Die letzten 2 Stunden krieche ich quasi nur noch übers Feld, weil mein Rücken so dermaßen schmerzt. Aber als wir fertig sind, bin ich glücklich den ersten Tag überstanden zu haben. Dazu kommt noch, dass ich meine Arbeit wohl gut gemacht habe, ich wurde nicht gefeuert! Den Tag über habe ich fast 7l Wasser getrunken, musste jedoch kein einziges mal pinkeln^^
Total dreckig fahren wir zurück zum Hostel. Ich kann mich kaum noch bewegen. Mein Rücken bringt mich um, ich schaffe es kaum zu duschen^^! Ich laufe bzw. humpele zum Supermarkt, um mich erstmal mit genügend Essen auszustatten.
Nach dem Essen bin ich total platt, bekomme aber glücklicherweise von Donner gesagt, dass ich morgen nicht wieder zu Ross Farm muss, sondern zu der seines Bruders. Dort soll es einfacher sein, was ich irgendwie nicht so ganz verstehe, denn ich muss weiterhin Auberginen pflücken, naja vielleicht wachsen die dort in einer angenehmeren Höhe?!
Kurz bevor ich mich ins Bett lege, unterhalte ich mich noch mit Ramona und Sandra und die beiden geben einen Tipp, der Gold wert ist! Ich solle am nächsten Tag bevor ich zur Arbeit gehe eine Schmerztablette gegen die Rückenschmerzen nehmen. Das soll Wunder bewirken und das Arbeiten einfacher machen. Um 8 abends schlafe ich ein.
Als der Wecker am nächsten Morgen klingelt schmerzt mein Rücken noch mehr und krieche aus dem Bett, um gleich eine Schmerztablette zu nehmen. Nach einer halben Stunde verschwinden die Schmerzen und ich bin voller Zuversicht.
Die Arbeit auf Vitos Farm ist echt angenehmer, denn dort wachsen deutlich weniger Auberginen. Dazu kommt, dass wir nur knapp 5h Auberginen pflücken und danach befreien wir ein altes Feld von Plastiküberresten. Ein wenig Abwechslung ist immer gut
Jedoch war die Arbeit bei Vito nur für einen Tag….
Der dritte Arbeitstag ist wieder auf Ross Farm. Diese Mal habe ich wieder eine Schmerztablette gegen die Rückenschmerzen genommen, jedoch wird dieser Tag der härteste überhaupt sein, denn der fette Supervisor John ist anscheinend schlecht drauf und fängt an uns zu pushen und zu kontrollieren. Dazu kommt, dass es an dem Tag richtig heiß wird. Ich spiele die ganze Zeit über mit dem Gedanken die Arbeit zu schmeißen, das ist es echt nicht wert. Ich halte aber durch, schwöre aber nicht nochmal auf Ross Farm zu arbeiten, auch wenn ich dadurch vielleicht ein paar Tage keine Arbeit habe. Glückerlicherweise hat sich das von selbst erledigt, denn Donner bietet mir gleich nach meiner Rückkehr im Hostel eine neue Arbeit auf einer Pumpkinfarm an. Perfekt!
Die nächsten Tage arbeite ich in der Rocky Ponds Pumpkin Farm und es ist sehr viel besser als die Tage vorher. Wir haben eine supernette Supervisorin und machen abwechslungsreiche Arbeiten. Zuerst werden Kisten gebaut, dann Pumpkins gepflückt, dann kurz Melonen und wieder Pumpkins und das alles in echt guten Arbeitsatmosphäre.
So vergehen die ersten Tage sehr schnell! Man ist quasi den ganzen Tag am Arbeiten, dann kocht man abends zusammen, bereitet das Lunchpacket für den nächsten Tag vor und relaxt dann noch kurz draußen mit ein paar netten Leuten.
Am Sonntag habe ich, nach 6 Tagen Arbeit, meinen ersten freien Tag. So gut wie das ganze Hostel hat einen freien Tag, was bedeutet, dass zusammen gegrillt und getrunken wird. Später gehen dann alle in die Disko. Echt genialer und langer Abend. Die Leute hier sind korrekt drauf und wir hatten eine Menge Spaß, obwohl die Disko recht bescheiden ist^^
Die nächste Arbeitswoche beginnt. Wieder bei Rocky Ponds, jedoch nur noch 3 Tage…..leider. Meine nächste Arbeit ist wieder Pumpkins picken, diese mal jedoch „on contract“, was bedeutet, dass man nach Kilo bzw. Kisten bezahlt wird und nicht pro Stunde. Eigentlich macht man dort nur gutes Geld, wenn man ein eingespieltes Team ist und schon etwas Erfahrung hat, aber auch nur dann! Naja die Bezahlung scheint uns vergleichsweise gut und wir sagen zu.
Der erste Arbeitsschritt ist alle Pumpkins von der Pflanze abzutrennen und dann in der jeweiligen Reihe nebeneinander hinzulegen. Ganz einfache und nicht zu anstrengende Arbeit! Ist das auf dem kompletten Feld getan, fängt die harte Arbeit an. 3 von 6 Backpackern stehen auf einem Anhänger, der neben dem Feld entlang fährt, die anderen 3 !schmeißen! alle Pumpkins(5 bis 10kg) zu den 3 Mann auf dem Anhänger. Das ist mal richtig krass, denn wir müssen das Ganze rund 5h in der prallen Sonne machen. Man wechselt sich zwar ab mit Werfen bzw. Fangen, aber es sind so viele Pumpkins und man muss so schnell werfen, echt viel zu krass. Nach dem Arbeitstag bin ich am Ende.
Das Geld stimmt zwar bei diesem Job, aber ich halte nur 4 Tage durch und hänge meine Fruitpicking Karriere an den Nagel! Ich habe in 15 Tagen nun 13 Tage gearbeitet und habe keinen Bock mehr. Es ist viel zu hart! Ich habe mir geschworen nie wieder auf dem Feld zu stehen. Die Letzten zwei Tage waren einfach zu hart, denn es wurde immer heißer(33°!). Das ist es echt nicht wert.
Ich habe in den letzten 13 Tagen rund 10h pro gearbeitet und ca. 8 bis 9€ netto verdient. Bei den geringen Ausgaben hier in Ayr konnte ich so ne Menge Geld sparen. Ich werde somit gut die Ostküste runter nach Sydney kommen. Dort werde ich aber auf jeden Fall wieder arbeiten müssen. Entweder als Kellner oder Bauarbeiter für min. 4 Wochen
Naja soweit so gut, ich fahre nun wieder zurück nach Townsville, um einen Tauchkurs zu beginnen, den ich seit meinem Schnorchel-Ausflug in Cairns auf jeden Fall machen will.
Achja leider konnte ich keine Fotos von der Arbeitet machen…..Meine Kamera ist wieder kaputt….nachdem ich sie saubergemacht hatte, ging sie wieder – genau für ein Foto – und habe ich das alte Problem: Sand im Objektiv. Naja ich werde die Kamera in Townsville professionell reinigen lassen, danach müsste sie wiedergehen. Ist zwar Schade, denn es wären bestimmt geile Fotos geworden, so komplett dreckig auf dem Traktor^^
Ein Deutscher hat mir aber versprochen ein paar Fotos, die er vom Hostel/BBQ/Disko gemacht zu schicken. Ich werde sie dann hochladen. Hoffentlich bekomme ich sie auch….